Andreas Rilk
Ich bin 51 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern. Seit über 25 Jahren lebe und arbeite ich in Seeshaupt. Als selbstständiger Landschaftsgärtner führe ich einen anerkannten Ausbildungsbetrieb, zeitweise mit bis zu zwölf Mitarbeitern. Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und wirtschaftlich zu handeln gehören für mich seit mehr als zwei Jahrzehnten zum Alltag.
Mein ehrenamtliches Engagement für Seeshaupt begann mit der Gründung der GrAS-Gruppe und setzt sich seit inzwischen sechs Jahren im Gemeinderat fort. Ehrenamt ist für mich ein unverzichtbarer Bestandteil unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Da meine Stärken weder im Sport noch in der Musik oder bei der Feuerwehr liegen, bringe ich das ein, was ich kann: Organisation, wirtschaftliches Verständnis und den Umgang mit Menschen.
Die Arbeit im Gemeinderat hat mir gezeigt, dass man kein Verwaltungsprofi sein muss, um ein guter Bürgermeister zu sein. In Seeshaupt gibt es qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die ihre Fachbereiche kompetent abdecken. Die Aufgabe des Bürgermeisters sehe ich deshalb weniger im Detailwissen einzelner Vorschriften, sondern in Führung, Struktur und Verantwortung.
Politik ist immer ein Kompromiss. Mit diesem Verständnis habe ich in den vergangenen Jahren viele Beschlüsse im Gemeinderat mitgetragen, auch solche, die ich persönlich anders entschieden hätte – etwa bei Rechtsstreitigkeiten, Grundstücksfragen oder Bebauungsplänen. Demokratie ist kein Wunschkonzert, sondern das Austarieren unterschiedlicher Meinungen und Perspektiven.
Gerade darin liegt die Aufgabe eines Bürgermeisters: unterschiedliche Interessen zusammenzuführen. Vor allem dann, wenn Entscheidungen schwierig sind, braucht es ein ruhiges und sicheres Auftreten, wirtschaftlichen Sachverstand, Kritikfähigkeit, logisches Denken und Menschenkenntnis. Diese Fähigkeiten bringe ich mit – und stelle sie Seeshaupt zur Wahl.
Deshalb habe ich mich entschieden, meine berufliche und finanzielle Unabhängigkeit hintenanzustellen und für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Damit die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, Seeshaupt neue Impulse zu geben.

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Was mir für Seeshaupt wichtig ist
Zusammenarbeit im Gemeinderat
Gemeinderatssitzungen sollten klarer strukturiert und besser vorbereitet sein. Bauanträge müssen verständlich aufbereitet werden, etwa durch Checklisten, die frühzeitig zeigen, wo konkreter Handlungsbedarf besteht. Entscheidungen brauchen Transparenz, eine ruhige Moderation und eine nachvollziehbare Darstellung – auch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern.
Wohnen für alle Generationen
Wir brauchen eine ehrliche Analyse, für wen Wohnraum in Seeshaupt fehlt. Langfristig bezahlbare Warmmieten sind aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig wie Wohneigentum. Während Kinder sowie Seniorinnen und Senioren in Seeshaupt gut vertreten sind, zieht die Altersgruppe zwischen 25 und 44 Jahren zunehmend weg. Diese Entwicklung gefährdet die Zukunft unseres Ortes und muss gezielt angegangen werden.
Ortsbild und Dorfentwicklung
Seeshaupt hat viele Möglichkeiten, mit überschaubarem Aufwand an Attraktivität zu gewinnen. Ob Kreisverkehr, Plätze oder unscheinbare Ecken – mit durchdachten Maßnahmen lassen sich Aufenthaltsqualität und Biodiversität verbessern. Gleichzeitig braucht es eine klare Vorstellung davon, wie sich der Ort insgesamt entwickeln soll: mit wasserdurchlässigen Gehwegen, weniger Versiegelung, Orten zum Verweilen und einem stimmigen Gesamtbild.
Auch der Zustand der gemeindlichen Gebäude muss ehrlich bewertet werden. Viele Liegenschaften sind sanierungsbedürftig. Der Bestand sollte systematisch erfasst und gemeinsam mit dem Gemeinderat kurz-, mittel- und langfristig weiterentwickelt werden.
Energie
Energie bedeutet für mich sowohl Erzeugung als auch Verbrauch. Da wir weder über Öl noch über Gas verfügen, ist es sinnvoll, möglichst viel Energie selbst zu erzeugen. Langfristig wird es auf einen ausgewogenen Mix aus Sonne, Biomasse, Wasser und Wind ankommen.
Finanzen mit Augenmaß
Das Vermögen der Gemeinde muss im Haushalt transparent abgebildet sein. Nur so lässt sich nachvollziehen, wie sich Schulden und Vermögenswerte zueinander verhalten. Seeshaupt gibt pro Einwohner deutlich mehr Geld für Verwaltung aus als vergleichbare Gemeinden in der Umgebung. Diese Unterschiede müssen analysiert und dort, wo es möglich ist, reduziert werden.
Da die Gemeinde nur über begrenzten Grundbesitz verfügt, ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den vorhandenen Mitteln besonders wichtig – auch im Interesse kommender Generationen. Die Unterstützung durch Stiftungen ist ein großer Gewinn für Seeshaupt. Dieses Vertrauen dürfen wir nicht verspielen.
Soziales und Zusammenhalt
Seeshaupt lebt von seiner starken Vereinsstruktur, der Tagespflege und der Nachbarschaftshilfe. Diese Angebote sind nicht selbstverständlich und müssen erhalten und gestärkt werden. Konzepte wie Alters-Wohngemeinschaften halte ich für sinnvoll und unterstützenswert.
Ein Ort bleibt nur dann lebendig, wenn sich alle Generationen ernst genommen fühlen. Wird eine Altersgruppe dauerhaft übersehen, leidet langfristig das gesamte Zusammenleben. Mein Ziel ist ein Seeshaupt, in dem sich jede und jeder gesehen fühlt.

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